Der Saarlooswolfhond ist ein Begleit- und Familienhund, der aufgrund seiner Abstammung und Zuchtgeschichte einige Besonderheiten im Verhalten und Wesen aufweist.
Jeder Hund ist natürlich ein Individuum mit seinen persönlichen Eigenschaften, dessen Charakter neben seiner genetischen Veranlagung stark von Prägung und Sozialisierung abhängig ist. Deshalb spiegeln die nachfolgend aufgeführten Wesenszüge nur ein sehr allgemeines Bild des Saarloos wider.
Scheuheit und Fluchtreflex
Unbekannte Dinge, fremde Menschen und ungewohnte Situationen lösen im Saarlooswolfhond häufig, wie beim Wolf, einen Fluchtreflex aus. Die Intensität des Fluchttriebes ist von Hund zu Hund sehr unterschiedlich. Während manche SWH bereits im Welpenalter von 8 Wochen sehr scheu und zurückhaltend sind, bricht dieses Wolfserbe bei anderen zu einem späteren Zeitpunkt, wie etwa dem vierten Lebensmonat oder dem Eintreten der Geschlechtsreife durch. Je nach Ausprägung dieses Fluchttriebes muss entsprechend intensiv an der Gewöhnung an seine Umwelt gearbeitet werden. Der Fluchtreflex beim Saarloos kann unbequeme und gefährliche Situationen hervorrufen, wenn er z. B. in unbekanntem Gelände vor einem misstrauenserweckenden Gegenstand oder einer Person flieht oder um ein Hindernis zu umgehen, einen ausgedehnten Bogen über eine Straße macht. Solche Situationen treten für den Halter nicht selten unerwartet auf und können ein Losreißen von der Leine zur Folge haben oder den Hundehalter zu Fall bringen.
Scheint dem SWH ein angsteinflößendes Hindernis oder eine beängstigende Situation unausweichlich, da er in seinem Fluchttrieb z.B. durch eine Leine behindert wird, legt er sich mit ängstlichem Blick und angelegten Ohren auf den Boden und bewegt sich kein Stück mehr von der Stelle. So habe ich schon Saarloos gesehen, die auf Ausstellungen liegend durch den Ring gezogen wurden.
Hund ohne Angriffstrieb
Saarlooswolfhonden besitzen keinen Angriffstrieb und zeigen keine Aggressionen Menschen gegenüber. Der Angriffstrieb ist durch den dominanteren Fluchttrieb völlig verdrängt. Verantwortlich dafür soll das wiederholte Einkreuzen des Wolfes sein. Er ist als Schutzhund völlig ungeeignet, da sein Selbsterhaltungstrieb zu groß ist und er in brenzligen Situationen lieber die Flucht ergreift.
Bellt er oder nicht?
Als Wachhund eignet sich der Saarlooswolfhond nicht sonderlich gut, da die meisten Vertreter der Rasse nur wenig, andere unzuverlässig bellen. Natürlich kann sich auch der Saarloos das Bellen von anderen vorhandenen Hunden abschauen und Personen im Haus oder am Gartenzaun anzeigen.
Bezeichnend für einige SWH ist das "Wuffen" aus größerer Entfernung, was aber eher als Zeichen des Misstrauens zu werten ist und in Kombination mit Neugier oftmals mit dem Umkreisen des suspekten Objektes (bzw. der Person) einher geht.
Unabhängiger Charakter
Der Saarlooswolfhond hat einen starken eigenen Willen. Unabhängig und selbständig folgt er seinen Instinkten und ist oft schwer von seinem Willen abzubringen. Dies macht die Erziehung nicht gerade leicht und erfordert eine menge Geduld. Signale werden von ihm häufig nicht sofort befolgt, er kommt halt wenn er Lust hat. Swh werden keine perfekt funktionierenden Hunde, die sich durch sklavischen Gehorsam auszeichnen, jedoch kann man sie durch liebevolle Erziehung und positive Motivation ein gutes Maß an Folgsamkeit lehren.
Intelligenz
Saarlooswolfhonden sind sehr intelligente Hunde. Besonders im Bereich der Problemlösung sind sie sehr einfallsreich. Oft orientieren sie sich bei der Problembewältigung weniger als andere Hunde am Sozialpartner Mensch, sondern versuchen ihr Ziel selbständig zu erreichen. Viel wird von Ihnen durch Abschauen erlernt. So öffnen einige Saarloos' gekonnt Kühlschranktüren und Leberwurstgläser. SWH sind sehr lernfähige Hunde, absolvieren Übungen jedoch oft nur erfolgreich, wenn sie einen Sinn darin sehen. Einmal Erlerntes geht ihnen nicht mehr verloren. Ständige Wiederholungen von Übungen langweilen den Saarloos und führen dazu, dass er Kommandos ignoriert.
Natürlichkeit
Der Saarlooswolfhond ist ein sehr naturverbunder Hund mit ursprünglichem Charakter. Er hält sich gern im Freien auf, liebt ausgedehnte Spaziergänge. Die meisten Saarloos schwimmen und baden gern. SWH haben äußerst feine Sinne und nutzen diese. Sie gehen Spuren nach, fangen und fressen Mäuse, stöbern Aas auf und wühlen im Schlamm. Man sollte sich überlegen, mit welchen dieser Eigenschaften man leben kann und welchen man entgegen wirkt.
Im Allgemeinen gilt aber, solange es dem Hund nicht schadet, sollte man ihn in seiner Natürlichkeit nicht zu sehr einschränken.
Jagdtrieb
Der Saarlooswolfhond hat einen natürlichen Jagdtrieb. Für Wölfe ist die Jagd überlebenswichtig und auch im Saarloos genetisch fest verankert. Im Allgemeinen sagt man, dass Hündinnen etwas triebiger sind. Bei SWH, die sich mit allen Sinnesorganen dem Jagdtrieb hingeben, ist dieser sehr schwer kontrollierbar. In diesen Fällen ist das Anleinen in wildreichen Gebieten nicht zu vermeiden. Andere Saarloos, die nur auf Sicht jagen, können im richtigen Moment gestoppt werden. Ist dieser jedoch überschritten, hilft alles Rufen nicht mehr. Entscheidend für die Ausprägung des Jagdtriebes kann ein jagdliches Erfolgserlebnis sein, denn einmal erlerntes vergisst der Saarloos nicht mehr.
Erbeutete Kleintiere wie Mäuse, Kaninchen und Hasen werden oft, wenn möglich vom Saarloos verzehrt. Somit ist der Jagdtrieb nicht nur durch das beglückende Gefühl des Nachgebens des Triebes, also dem Jagen an sich, sondern auch durchs fressen des Beutetiers, also dem stillen des Hungers begründet. Während ein einzelner Saarlooswolfhond nach erfolgloser Jagd wegen seiner engen Bindung schnell zum Sozialpartner Mensch zurückkehrt, bleiben mehrere jagende Saarloos' oft länger weg.
Es gibt natürlich auch SWH, die einen schwach ausgeprägten Jagdtrieb besitzen, für die meisten Saarlooshalter ist die Kontrolle des Jagdtriebes jedoch eine große Herausforderung.
Ausgeglichenheit
Der Saarlooswolfhond ist ein aktiver, lauffreudiger Hund. Seine bevorzugte Art der Fortbewegung ist der Trab, in dem er energiesparend viele Kilometer zurück legen kann. Er braucht viel körperliche und geistige Beschäftigung. Bekommt er diese, nimmt auch er einen Tag ohne große Wanderung in Kauf. Er besitzt ein ausgeglichenes Wesen und verhält sich im Hause ruhig.
Sozialverhalten und Bindung
Saarlooswolfhonden sind sehr soziale Hunde, die nach sorgfältiger Sozialisierung im Allgemeinen sehr gut mit Artgenossen umgehen. Gegenüber anderen Hunden beziehen sie klare Positionen und drücken sich durch eine eindeutige Körpersprache aus. Ihr Mienenspiel ist sehr ausgeprägt, vielfältig und gut lesbar. Es ist fesselnd, SWH im gemeinsamen Umgang zu beobachten.
Der Saarlooswolfhond hat ein starkes Rudelbewusstsein und fühlt sich im Rudel, als Teil dessen, geborgen. Zu seinen Menschen, welche sein Rudel bzw. ein Teil dessen darstellen, bauen Saarloos eine sehr starke Bindung auf.
Aus der starken Rudelbezogenheit resultierend, leiden viele SWH, wenn sie allein gelassen werden. Zerstörungsanfälle, denen selbst Schränke und Türen zum Opfer fallen, können Folge dieser Verlustängste sein. Außerdem ist einigen Saarloos kein Zaun zu hoch, um zum geliebten Herrchen zu kommen. In diesen Fällen ist zum Schutz dieser Hunde eine ausbruchsichere Unterbringung unumgehbar. Die meisten Saarloos sind jedoch in der Lage zu erlernen, Vertrauen in die Rückkehr seines Menschen zu setzen und somit die Zeit des Alleinseins entspannt zu verbringen. Ein Zweithund ist hier natürlich von Vorteil. Einige allerdings legen diese Ängste nie ganz ab. Allgemein sind selbstsichere Tiere eher in der Lage entspannt allein zu bleiben, als unsichere, rangniedrige, die in höherem Maße vom Rudel abhängig sind.
Dem Menschen ist es möglich, eine sehr tiefe Beziehung zu diesem Tier zu führen, die auf gegenseitiger Achtung und Verständnis basiert. Der Saarlooswolfhond ist äußerst sensibel und vermag Stimmungen innerhalb des Rudels genau zu lesen.
Trotz seiner Reserviertheit ist der Saarlooswolfhond sehr menschenfreundlich. Die meisten SWH sind sehr geduldig im Umgang mit Kindern. Der Saarloos ist harmoniebedürftig und besitzt einen sanften Charakter.